Sommertheater 1988
Tonart und Stil der Stadtverwaltung und des KULTURFENSTERS bei den kommunalpolitischen Auseinandersetzungen in den 80 er Jahren sprechen für sich. Sie haben, aus heutiger Sicht, durchaus auch unterhaltenden, kabaretistischen Wert. In der unmittelbaren Situation der 80er Jahre war es aber eher zum Heulen. Zumindest bei den Empfängern solcher Schreiben, die weiter unten exemplarisch dokumentiert sind.
Zundel war sich nicht zu Schade, sich bis ins letzte Detail von Vorgängen einzumischen, die eigentlich durch seine gut bezahlte Amtsleiter und Dezernenten hätten erledigt werden können.
Sozialbürgermeister als Sprechpuppe
Gespräche mit dem fachlich zuständigen Sozialbürgermeister folgten meist dem gleichen Schema, wenn es sich um „politisch brisante“ Themen handelte.
Der Bittsteller, also der Verein XY durfte in einem ersten, kurzen Termin sein Anliegen vortragen. Vielleicht 14 Tag später gab es einen zweiten Termin, wo der Spitzenbeamte in Gestalt des Sozialbürgermeister eine schriftlich verfasste Antwort des Oberbürgermeisters verlas. Nachfragen oder ein Gespräch erübrigten sich dann.
Das Sommertheater 1988 drehte sich um zwei Konfliktpunkte:
1. Wie politisch darf eine kommunal finanzierte Jugendarbeit sein?
2. Ist das KULTURFENSTER Mitglied im alternativen Förder-und Unterstütungsverein „SELBSTHILFE NORDBADEN e.V.“ ? Und: darf die Stadtverwaltung aus der Förderung des KULTURFENSTERS durch diesen Verein darauf schließen, dass das KULTURFENSTER nun eine „Propagandatruppe der alternativen Szene sei?
Während der erst genannte Konfliktpunkt (…politisches Engagement…) durchaus ein ernsthafter Streit wert war, war der zweit genannten Konfliktpunkt unnötig, da das KULTURFENSTER durch eine wahrhafte und standfeste Positionierung sich nicht die Blöße einer falschen Aussage hätte geben müssen.
Diese Fragen erledigten sich dann mehr oder weniger von selbst, da diese Auseinandersetzung in der untergehenden Zundelära Ende der 80 er Jahre stattfand, die dann bekanntlich 1990 mit der Wahl von Beate Weber zur Oberbürgermeisterin ihr Ende nahm. Im nun heraufziehenden neuen „Land des Lächelns“ war dann aber auch nicht alles Gold, was gänzte….